SCHAUKASTEN online

Geschehen formuliert & illustriert


aus den christlichen Gemeinden & Gemeinschaften in der Region

Aktualisiert am 30.11.2019

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ANN-HELENA SCHLÜTER

ist eine deutsch-schwedische Pianistin, Komponistin, Lyrikerin, Autorin, Organistin und Musikwissenschaftlerin. Von frühester Kindheit an erhielt sie von ihren Eltern eine musikalische Ausbildung, die sie später rund um den Globus vervollkommnete. Die vielfach talentierte Künstlerin gewann zahlreiche Wettbewerbe und gibt Konzerte auf der ganzen Welt. Hier erfahren Sie mehr.

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Zur Jubilarin und gegen das Vergessen

DAS HERMSDORFER ORGELWUNDER

Erinnerungen von Annelies Merker

 

„Das Wunderbarste an Wundern ist,

dass sie manchmal  wirklich geschehen.“


Diese Worte von Gilbert Keith Chesterton wecken in mir Erinnerungen an die Geschehnisse um den Hermsdorfer Orgelneubau vor 30 Jahren: Am 17. September 1989 konnte diese Orgel in einem Festgottesdienst feierlich geweiht werden. Es predigte OKR Walter Saft aus Eisenach, Gemeindegruppen gestalteten den Gottesdienst mit. Gemeinsames Kaffeetrinken, vielseitige Basar-Angebote und ein beeindruckendes Orgelkonzert mit Karen de Pastel aus Österreich ließen diesen Tag zu einem großen Fest werden.  

 

   Es war ein spannender Weg bis zu diesem Tag. Die vorherige Orgel war, trotz vieler Reparaturen, nur noch schlecht spielbar (und hörbar!).


So wurde 1979, zehn Jahre zuvor, vom GKR, Pfarrer Schlegel, Kantor Merker der Plan für einen „Orgelneubau für die 90er Jahre“ gefasst.  Nach Einholung von Kostenvoranschlägen verschiedener Orgelbaufirmen wurde 1981 mit Firma Sauer, Frankfurt/Oder, der Vertrag mit Fertigstellung 1990 abgeschlossen, Kostenpunkt: etwa 110.000 M. Doch wie zu dem Geld kommen?? Wir schaffen das! Es wurde um Spenden gebeten. Eine große stilisierte Orgelpfeife im Vorraum der Kirche zeigte den jeweiligen Spendenstand an; ein sehr aktiver Bastelkreis traf sich monatlich und bot zu Gemeindefesten die erarbeiteten Artikel an. Zum Erreichen der Summe des Eigenanteils der Kirchgemeinde (fast 50 %) trugen all diese Aktivitäten bei.  

 

   Zungenstimmen-Register (Trompete und Krummhorn) und ein geräuscharmer Motor wurden in der DDR nicht hergestellt. Sie bekam man nur mit Devisen. Bei dieser Finanzierung half die Partnergemeinde Crailsheim-Altenmünster mit Pfarrer Buddensiek. 1986 kam von der Orgelbaufirma das Angebot, den Orgelneubau auf 1989 vorzuziehen, da ein anderer Auftrag zurückgestellt werden musste, d.h. auch die Zahlungen für die Hermsdorfer Kirchgemeinde zeitiger gebracht werden mussten. Das „Für und Wider“ wurde abgewogen und das Angebot angenommen. Wir schaffen das!

 

   Im Januar 1989 kam die Nachricht aus Frankfurt, „Der Einbau der neuen Orgel wird im Juni/Juli d.J. in Ihrer Kirche erfolgen.“ Wieder waren viele Helfer nötig für den Abbau der alten Orgel und Fußbodenarbeiten, Einbau einer massiven Zwischendecke, Malerarbeiten etc. für die neue Orgel. Der Transport der Orgelteile erfolgte am 13.3.1989 mit der Bitte: „Zur Entladung der Orgelteile werden sechs kräftige Männer benötigt“.  


  Im folgenden Zeitplan standen technische Montage und Intonationszeitraum von drei Wochen. Die Orgelabnahme durch Fa. Sauer, Gemeindekirchenrat, Pfarrer, Kantor und Orgelsachverständigen Albrecht Dietl erfolgte am 20. Juli 1989. „Alle Arbeiten wurden gewissenhaft durchgeführt, das verwendete Material ist von guter Qualität. Der Erbauerfirma und allen beteiligten Mitarbeitern gebührt Anerkennung für das wohlgelungene Werk, das dem GKR zur Abnahme empfohlen wird.“ (Albrecht Dietl)


    Mit der Orgelweihe am 17. Sept. 1989 war die neue Orgel nun zu allen Gottesdiensten eine wunderbare Bereicherung, aber noch mit „Schulden beladen“.  Am 05. Nov. 1989 erbrachte ein Gemeindefest mit Basar Spenden von über 8.000 M. Mit dieser Summe und den vielen finanziellen Unterstützern des Orgelneubaus konnte die Restsumme bezahlt werden.


    Die Bastelgruppe kam am 09. November zu weihnachtlichen Basteleien und einer kleinen Nachfeier des erfolgreichen Basars zusammen. An diesem Abend kam die Nachricht: Die Grenze ist offen!


Ungläubigkeit und Gedanken überschlugen sich. Der folgende Freitag und Sonnabend (damals noch Schultag!) war geprägt von dem Drang nach Westen. Auf Straßen und Autobahnen waren Autoschlangen, um Verwandte und Freunde zu sehen, Begrüßungsgeld zu empfangen. Wer hätte an diesem Wochenende noch Interesse an unserem Basar gehabt?  


    Unsere Orgel konnte noch vor der Währungsunion in Mark der DDR bezahlt werden. Jeder kann nachrechnen, wie viel von der über Jahre erarbeiteten Geldsumme geblieben wäre!! Ein entsprechender Orgelneubau würde heute in Euro ein Vielfaches kosten.


    Es gibt noch viele „Zeitzeugen“, die in ihren Erinnerungen bestimmt ergänzende Gedanken finden. Für mich ist es auch nach 30 Jahren immer noch ein „wunderbares Ereignis“ und Geschenk für die Hermsdorfer Kirchgemeinde! Möge diese Orgel noch viele Jahrzehnte den Menschen zur Freude und Gott zur Ehre erklingen!  


Annelies Merker

Kantorin i.R.


Quelle dieses Beitrages:

Gemeindebrief der Ev.-Luth. Kirchgemeinde Hermsdorf

August-Oktober 2019, Seiten 4 und 12, mehr dazu hier

mit freundlicher Zustimmung von A. Merker

Nachdruck ist nicht gestattet

Würdigung einer Jubilarin

ORGELKONZERT

im Jubiläumsjahr mit Ann-Helena Schlüter


Es war ein trüber, verregneter Sonntag, der 27. Oktober 2019, der so gar nicht in den sonst so farbenprächtigen Herbst passte. Trotz dieser Unbilden stellten sich zahlreiche Zuhörer in der Kirche ein, um einen Höhepunkt im Jubiläumsjahr der Sauer-Orgel ganz nah zu erleben.


Mit der Pianistin, Komponistin, Lyrikerin, Autorin, Organistin und Musikwissenschaftlerin Ann-Helena Schlüter mit schwedischen Wurzeln, war es Every Zabel gelungen, eine Könnerin für das Konzert zu gewinnen.


Es war ein Konzert, das die Zuhörer begeisterte und in dem der virtuose Tastendruck von Ann-Helena Schlüter die Nuancen der Orgel voll zum Klingen brachte und die Töne mit Brillanz den Kirchenraum erfüllten.


Wohlklingende Akkorde – mal leise, mal mit vollem Fortissimo, dann geradezu wie eine Zwiesprache zwischen Manual und Pedal, brillierend in der Tonfolge, naheezu trippelnd von Taste zu Taste springend – ließen die Kompositionen aus dem 16. und 17. Jahrhundert in der Farbenpracht des Barocks erklingen.


Die zwei Eigenkompositionen „Längtan“ und „Nenotarium“ von Ann-Helena Schlüter schlugen einen Bogen in die Weiten Schwedens, grad so, als schwebten Nordlichter durch den Raum oder als seien die Zuhörer Gäste bei einem nordischen Tanzfest.


Es war mit dem Konzert ein Kleinod an Orgelmusik in der Hermsdorfer Kirche an diesem Herbstabend zu erleben und ein schöner Beitrag zur Würdigung der Orgel-Jubilarin – der auch sicherlich zur inneren Aufhellung der Zuhörer führte - nicht zuletzt durch die nette, freundliche und entgegenkommende Art von Frau Schlüter in persönlichen Gesprächen der Zuhörer nach dem Konzert.

Jubiläum

2019:


Geschenk für

drei Jahrzehnte Sauer-Orgel

in der

Hermsdorfer Kirche

St.-Salvator

KIRCHGEMEINDE ST.-SALVATOR IN HERMSDORF

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